Mikow-Lumne

Das bedingungslose Grundeinkommen

Finnland will testen, was schon einige Länder getestet haben: Das bedingungslose Grundeinkommen. Auch in Deutschland ist schon viel darüber diskutiert worden. Auf den ersten Blick erscheint mir das eine gute Idee. Auf den zweiten aber kommen mir dann doch Zweifel, weil so viele Fragen ungeklärt sind. Ganz oben auf der Liste die Frage, wie soll das finanziert werden? Wie soll das „Projekt“ überhaupt ablaufen? Bekommt jeder deutsche Staatsbürger eine als Grundeinkommen festgelegte Summe X? Was passiert, wenn ich arbeiten gehe und mehr als das Grundeinkommen verdiene, gehe ich dann leer aus bzw. wird mir das Grundeinkommen auf mein Gehalt angerechnet und der Verdienst darüber hinaus ist dann mein eigener persönlicher Luxus? Wenn mir die Summe X zum Leben reicht, warum sollte ich dann noch arbeiten gehen? Welche Auswirkungen hat das dann auf die finanzielle Entwicklung des Landes? Ist das dann der vielgepriesene Schritt zum Kommunismus in dem es irgendwann kein Geld mehr gibt und ich einfach in ein Geschäft gehe und mir ein Brot abhole? Ist dann zwangsläufig auch mit dem Ende der Marktwirtschaft im herkömmlichen Sinne zu rechnen?
Wenn der Test in Finnland ein positives Ergebnis bringt, ist Deutschland in der Lage, dieses für unser Land zu übernehmen und anzuwenden?
Ein Grundeinkommen für alle ist ein schöner Gedanke, aber ich denke, wir sind noch Lichtjahre davon entfernt.

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Ein Kommentar

  1. „wie soll das finanziert werden?“

    Zur Finanzierung gibt es verschiedene Modelle, die sich in der Höhe des Grundeinkommens und der Finanzierung unterscheiden.

    Stark vereinfacht erklärt es sich, wenn man die heutige Gesellschaft grob in 3 Gruppen unterteilt:

    1. Transferempfänger (ALGI, ALGII, Renten, Bafög…)
    2. Beamte & Angestellte des öffentlichen Dienstes
    3. Alle die ihr Einkommen in der freien Wirtschaft verdienen.

    Man kann dabei teilweise zu mehreren Gruppen gehören, z.B. als Bafög Empfänger, der nebenher noch arbeitet. Es ist eine sehr grobe Unterteilung.

    Das Grundeinkommen der ersten Gruppe ist (bis zu einer gewissen Höhe) bereits finanziert. Die Gelder die heute in die 100 verschiedenen Sozialleistungen fliessen, fliessen dann ins Grundeinkommen. Die Sozialleistungen werden dabei bis zur Höhe des Grundeinkommens ersetzt.

    Das Grundeinkommen der 2. Gruppe ist ebenfalls finanziert. Senkt man jede Gehaltsstufe im öffentlichen Dienst um den Grundeinkommensbetrag, kann man jedem Angestellten des öffentlichen Dienstes ein Grundeinkommen ausbezahlen. Das Nettoeinkommen des Staatsangestellten hat sich also nicht verändert.

    Kompliziert wird es bei allen, die in der freien Wirtschaft arbeiten. Entweder als Angestellte oder Selbständige…
    Viele führende Grundeinkommensbefürworter (Schweizer initiative, Götz Werner, Ich selbst) gehen davon aus, dass das Grundeinkommen als Lohnsubvention wirkt. Die Lohnkosten in den Unternehmen also deutlich sinken, weil jeder Angestellte bereits ein Grundeinkommen hat und deshalb günstiger arbeiten kann. Dieses Geld kann man dann über eine Steuer wieder abschöpfen. Welche Steuer das sein soll, darüber gehen unter Befürwortern die Meinung stark auseinander. Die meisten plädieren für eine höhere Mehrwertsteuer. Sollte die Annahme, dass das Grundeinkommen als Lohnsubvention wirkt stimmen, werden die Preise durch die höhere Mehrwertsteuer nicht steigen, weil sie lediglich die gesunkenen Lohnkosten ausgleicht.

    „Wie soll das „Projekt“ überhaupt ablaufen? Bekommt jeder deutsche Staatsbürger eine als Grundeinkommen festgelegte Summe X?“

    Ja!

    „Wird mir das Grundeinkommen auf mein Gehalt angerechnet und der Verdienst darüber hinaus ist dann mein eigener persönlicher Luxus?“

    Das kommt darauf an. Freie Wirtschaft oder öffentlicher Dienst? Siehe oben bei Finanzierung.

    „Wenn mir die Summe X zum Leben reicht, warum sollte ich dann noch arbeiten gehen?“

    Selbstverwirklichung, Sinn, Kontakte zu anderen Menschen, dabei sein, dazu gehören, mit machen, Ansehen, Spaß, Interesse, Luxus, Gier… alles erlaubt.

    „Welche Auswirkungen hat das dann auf die finanzielle Entwicklung des Landes?“

    Kaum abschätzbar. Im Ideallfall gar keine, weil der Staat das ausbezahlte Grundeinkommen wieder abschöpfen kann. Siehe Finanzierung.

    „Ist das dann der vielgepriesene Schritt zum Kommunismus in dem es irgendwann kein Geld mehr gibt und ich einfach in ein Geschäft gehe und mir ein Brot abhole?“

    Bloß nicht! Das wär die Katastrophe. Das Grundeinkommen ist das Gegenteil von Kommunismus. Während im Kommunismus die Individualität abgeschafft werden soll, wird Grundeinkommen das individuelle Potential erst freisetzen. Der Bäcker wird nach wie vor einen Preis für das Brot verlangen, weil er für seine Arbeit eine Wertschätzung haben möchte. Ich gkaube kaum dass es viele ehrenamtliche Bäcker geben wird.

    „Ist dann zwangsläufig auch mit dem Ende der Marktwirtschaft im herkömmlichen Sinne zu rechnen?“

    Nein!

    „Wenn der Test in Finnland ein positives Ergebnis bringt, ist Deutschland in der Lage, dieses für unser Land zu übernehmen und anzuwenden?“

    Nur bestimmte Aspekte. Am Ende werden wir unsere eigenen Tesläufe machen müssen.

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