Mikow-Lumne

Vierundvierzig Tage

Vierundvierzig Tage Krieg in der Ukraine. Alle Verhandlungsgespräche stellten sich von Russlands Seite als Hinhaltetaktiken oder schlichtweg als Lügen heraus. Sanktionen, die Putin zum Einlenken zwingen sollen gibt es zuhauf und doch ist ein Ende dieses grausamen Krieges nicht in Sicht. Tag für Tag sterben unschuldige Menschen einen sinnlosen Tod, werden Familien auseinandergerissen oder gar zerstört. Die Schuld für Raketenangriffe mit zahlreichen Toten und Verletzten schiebt Russland der ukrainischen Seite zu, ohne einen einzigen glaubhaften Beweis dafür zu haben. Putin stellt die Welt mit seinen aberwitzigen Lügen für dumm zur Schau und mordet munter weiter, droht mit Konsequenzen und belügt das Volk seines Landes. Dabei muss selbst er inzwischen begriffen haben, das er sein Ziel nicht erreicht hat und es auch nicht erreichen wird, zumindest nicht so, wie er es sich vorgestellt hat. Mit jedem Tag erhöht sich das Leid, der Schaden für die Ukraine, für Russland und für viele Länder der Welt. Ein Schaden, der durch nichts wieder gut zu machen ist, ausgelöst durch einen empathielosen Despoten, der nicht verlieren kann und deshalb sehr gefährlich für die friedliche Zukunft Europas ist, eines Diktators, der selbst im Untergang noch größtmöglichen Schaden anrichten wird. Aus diesem Grund ist die Unterstützung der Ukraine mit Waffen und Geld notwendig. Die Gangart Europas und der Welt muss zwingend härter werden. Russland muss in die Schranken gewiesen werden. Jeder weitere Kriegstag ist einer zu viel und die Zeit der Appelle muss vorbei sein. Vierundvierzig Tage Krieg sind vierundvierzig Tage zu viel. Am Ende bleiben verwüstete Städte, tote und verletzte Menschen, zerstörte Familien, eine enorme Fluchtbewegung über die Ländergrenzen hinaus und ein zerstörtes Vertrauen in den ehrlichen Friedenswillen aller Länder. Darum ist es so verdammt wichtig, Haltung zu zeigen, sich nicht einschüchtern zu lassen und Hilfe anzubieten, wo und bei wem sie gebraucht wird. Das gibt den Menschen Hoffnung, Zuversicht und das Gefühl, in ihrer Not nicht verlassen zu sein, denn der größte Feind den Putin zu fürchten hat, ist ein Volk, das sich stark fühlt und sich dem Unrecht niemals geschlagen geben wird.

Der Wahnsinn muss enden!

Ganz sicher müssen wir uns nicht darüber verständigen, wie menschenverachtend und hinterhältig der russische Präsident den Frieden in Europa, die Gesundheit und das Leben der ukrainischen, wie auch der involvierten russischen Menschen gefährdet hat bzw. vernichtet, nur geopolitischer Aspekte wegen. Auch über die Tatsache, dass Putin Empathie- und rücksichtslos insbesondere der Ukraine und nicht zuletzt dem Rest der ganzen Welt droht, sagt viel über die Gefährlichkeit eines solchen Despoten aus, erst Recht im Hinblick allein auf die bloße Existenz der Atomkraftwerke in den Ländern und der Gefahr, zu der diese für uns alle werden könnten. Mit dem Angriff auf die Ukraine hat er seine Maske fallen gelassen. Demokratie ist für ihn nur ein geheucheltes Wort und Regeln sind nur in Ordnung, wenn sie in seine Weltanschauung passen. Putin hat sich als Wolf im Schafspelz entpuppt, lauernd auf seine Chance.

Ich hoffe immer noch, er hat in seinem Plan einen Denkfehler, seine Rechnung nicht mit dem enormen Friedenswillen der Weltbevölkerung gemacht, wie die zahlreichen Demonstrationen gegen diesen Krieg beweisen und dass die wirtschaftlichen Sanktionen seine Pläne wirkungsvoll und nachhaltig durchkreuzen.

Das Senden von Hilfsgütern jeglicher Art ist eine dringend notwendige und unbestreitbar wichtige Handlung, um die Menschen in der Kriegsregion mit den lebenswichtigen Dingen wie Medikamente, Wasser und Kleidung zu versorgen, im weiteren Sinne Unterkunft und/oder sogar Heizung zu ermöglichen.

Vielleicht aber müssen wir etwas mehr tun und den Menschen Hoffnung vermitteln, die sich in den Kriegsgebieten befinden, den Menschen, die sich auf der Flucht aus ihrer Heimat befinden und auch den Menschen, die ukrainische Verwandte, Bekannte oder Freunde haben und die den Friedenswillen, die Hilfsbereitschaft und die Anteilnahme von uns allen in die Ukraine tragen und ihnen damit Kraft geben. Kraft zum Durchhalten, zum Kämpfen und zur Hoffnung, es wird wieder besser werden.

Schlussendlich bleibt nur die Hoffnung auf ein schnelles Ende dieses überflüssigen Krieges, der innige Wunsch, Putin möge zur Besinnung kommen.

Putin, die Ukraine und der Rest der Welt

Ich bin entsetzt. Die Welt hat einem Lügner geglaubt und sich in einem wahnwitzigen Sicherheitsgefühl gewiegt. Der russische Mann, der machtbesessen ist, der einer Vergangenheit mit Bildern eines Weltreiches im Kopf hinterherjagt und dem es völlig egal ist, dafür Menschenleben zu opfern, hat eine Völkerrechtsverletzung besonderen Ausmaßes begangen, indem er in die Ukraine einfiel. Dabei war klar, ein Despot wie Putin würde insbesondere Europa eiskalt ins Gesicht lügen und hinterrücks die Durchsetzung seiner Interessen inszenieren. Er ist ein Mann, der skrupellos andere Länder erpressen will und sich nicht einmal davor scheut, die Welt öffentlich zu bedrohen, sollten sie sich nicht aus seinem Tun heraushalten. Es hilft wenig, wenn sich die Regierungen nun dahingehend äußern, Russland massive Sanktionen auferlegen zu wollen. Dieses hätte längst geschehen müssen. Wirklich getan hat sich nichts. Leere Worte, mit denen Russlands Präsident offenbar gerechnet hat. Während alle Welt sich nur verbal echauffierte, nutzte Putin die Zeit, sich zu wappnen: finanziell, strategisch und militärisch. Vor den Augen Europas stationierte er an der ukrainische Grenze seine Streitkräfte, ist derzeit so gut aufgestellt, dass ihm Europas Sanktionen zumindest kurzfristig wohl eher wenig etwas ausmachen dürften. Ebenso dürfte wohl klar sein, dass gute Appelle und halbherzige Drohungen von westlicher Seite keine Sinnesänderung bewirken werden. Putin ist gefährlich und wird, sollte er sich in die Enge getrieben fühlen, den größtmöglichen Schaden für die Ukraine, wie auch für Russland, schlimmstenfalls darüber hinaus, anrichten. Kaltblütig hat und wird er für das Erreichen seiner Ziele Menschen ins Unglück stürzen. Die Welt muss schnellstens handeln, Russland dort treffen, wo es am nachhaltigsten wehtut und ihn zum Rückzug aus der Ukraine zwingen, damit der Frieden wieder hergestellt wird. Denn kein Interesse der Welt rechtfertigt einen Krieg, der Menschenleben kostet. Ich bin wütend und mehr als betroffen. Meine Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine und ihren Freunden und Angehörigen, wo immer sie auf der Welt sein mögen.

Der zivile Ungehorsam

Es ist schon ein wenig befremdlich, wenn eine Person der Politik zivilen Ungehorsam in der Öffentlichkeit propagiert. Ich frage mich da schon, wo dieser zivile Ungehorsam seinen Anfang und sein Ende haben soll. Im Falle der Blockierungen auf verschiedenen Berliner Straßen und Autobahnauffahrten in jüngster Zeit kann man jedenfalls sicher sein, dass sich Toleranz und Akzeptanz bei all denen in Grenzen halten, die stundenlang im Stau stehen mussten, die zur spät zur Arbeit kamen und auch bei denen, die ihren wohlverdienten Feierabend später antreten mussten. Ich denke, erwähnter ziviler Ungehorsam dürfte auch bei denjenigen auf Unverständnis stoßen, die wegen eines Notfalls später Hilfe erhalten, weil Feuerwehr oder Notärzte an einer menschlichen Straßenblockade keine oder eine verzögerte Durchfahrt erhielten. Man darf mich nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen das Sichtbarmachen und den gerechtfertigten Kampf gegen Missstände. Wir leben schließlich in einem demokratischen Land. Aber auch in einer Demokratie muss es Regeln geben und eine dieser Regeln besteht in der Anmeldung von Demonstrationen oder Kundgebungen. Es darf nicht sein, dass sich jeder einfach das Recht für eine, wenn auch individuell als wichtig und richtig empfundene Sache herausnimmt, ohne Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen. Wenn ich Menschen so vor den Kopf haue, muss ich mich nicht wundern, wenn das Gegenwehr erzeugt und schlimmstenfalls neuen Hass unter den Menschen schürt, auch wenn die Motivation für solche Aktionen wie im aktuellen Falle noch so edel erscheinen mag. Meine Vorschlag wäre, hier mit umfassender Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit zu überzeugen, keine Lebensmittel mehr zu verschwenden. Das erzeugt Sympathien und Verständnis und fördert eher eine Bereitschaft sein Kaufverhalten zu überdenken und anzupassen als die gerade praktizierte Holzhammermethode. Der Widerstand gegen eine Verschwendung von Lebensmitteln als moralische Pflicht ist an sich nicht verwerflich, sondern sogar notwendig, aber dieses und den Klimanotstand im allgemeinen als Rechtfertigung für solche Dinge wie zum Beispiel einen massiven Eingriff in den Straßenverkehr zu nutzen schon.

Corona-Demokratie

Zugegeben, auch ich habe die ganze Corona-Situation satt. In den Geschäften muss ich meinen Impfstatus nachweisen, in die Firma komme ich trotz Dreifachimpfung nur mit Negativtest und Fieberkontrollmessung überhaupt zur Tür hinein und den Tag verbringe ich zu einem großen Teil hinter einer FFP-2-Maske. Kein Mensch kann das auf Dauer gut finden. Andererseits sehe ich die Fallzahlen, die wenn auch nicht stetig und konstant ansteigend, jedoch auch nicht auf ein Level sinkend, das eine Aufhebung aller geltenden Maßnahmen rechtfertigen würde. Zahlen, die um ein Vielfaches niedriger wären, würde der Impfstatus der Bevölkerung höher sein. Da werden mit fadenscheinigen, unkonkreten Äußerungen, die den Begriffen Kritik, Argument oder Erklärung nicht einmal ansatzweise gerecht werden. Das Wissen der Impfgegner, Corona-Leugner und auch der – man möge es mir verzeihen – Unbelesenen, wobei ich Facebook & Co. nicht als Informationsquelle für fundiertes Wissen gelten lassen kann, ist nur das propagierte Ergebnis einer Lobby derjenigen, die hinter alles und jedem einen Feind vermuten und ihren Mitläufern, die der irrwitzigen Meinung sind, man müsse die Welt von einer Diktatur befreien und den Verfall der Demokratie aufhalten. Doch Demokratie heißt sinnbildlich „Jede/r für Jede/n. Wer Rechte hat, hat auch Pflichten. Wer etwas will, muss etwas dafür tun. Wenn wir also wieder so leben möchten, wie wir es vor Coronazeiten getan haben, müssen wir alles dafür tun, auch die Rahmenbedingungen dementsprechend zu schaffen. In der Konsequenz bedeutet das in erster Linie Impfen, notfalls eben mit einer Impfpflicht, so wenige wie möglich, aber so viele wie nötige zwischenmenschliche Kontakte und eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Handel und an allen Orten, an denen größere Menschenmengen zusammen kommen. Allen Menschen, die der Meinung sind, auf oder auch nur in der Nähe von Demonstrationen gegen die Regierungsmaßnahmen bei der Bekämpfung der Pandemie zufällig „spazieren gehen“ zu müssen, kann ich nur absolute Dummheit oder aber skrupellose Unverantwortlichkeit gegenüber des menschlichen Lebens assistieren. Sie benutzen teilweise ihre eigenen Kinder als Mittel zum Zweck – schändlich und verantwortungslos.

Warum schreibe ich das, wo ich doch selbst Coronamaßnahmenmüde geworden zu sein scheine. Ich schreibe das, weil es keine Rolle spielt, ob ich etwas überdrüssig geworden bin. Einzig das zu erreichende Ziel, die bedingungslose Bekämpfung der Infektionen und der damit einhergehenden Senkung der Erkrankung mit all ihren Folgeerscheinungen wie Atemnot, Sprach- und/oder Geschmacksverlust, Körperschwäche und viele andere mehr ist der Weg. Die Linderung und Vermeidung des Leids der Betroffenen und ihrer Angehörigen, die Gesundheit der Menschen, das ist das Nonplusultra, dem sich alles auf dem Weg dahin unterzuordnen hat. Ob mir das nun gerade in den Kram passt oder nicht!

Es ist für mich nicht hinnehmbar, von Menschen beleidigt, angepöbelt, angespuckt zu werden oder aber gewalttätigen Angriffen ausgesetzt zu sein. Ich bin da kein Einzelfall. Damit könnte ich vielleicht noch umgehen. Aber wenn die Mitarbeiter/innen der Arztpraxen, der Krankenhäuser, Altenheime, des Einzelhandels oder der Polizei „Opfer“ dieser sogenannten demokratiebesorgten Bürger werden, ist dem mit allem was unser Rechtsstaat hergibt entgegenzuwirken. Meinungsfreiheit ja, aber bitte mit konstruktiven Vorschlägen etwas anders und besser machen zu können und selbstverständlich fair und sachlich. Seit zwei Tagen liegt eine junge Frau aus meiner Familie im Krankenhaus. Corona. Überwachungsstation. Es geht ihr nicht gut. Beruf: Stationsleitung in einer Berliner Klinik. Im Vorfeld ebenfalls beleidigt, angespuckt, angepöbelt, infiziert durch Menschen, die nicht geimpft waren. Ihren Job machte sie trotzdem. Ihr halfen weder das Klatschen auf den Balkonen der Stadt noch die Teilnehmer der Demos gegen die Corona-Maßnahmen. Ihr helfen nur gesunde Ärzte und gesunde Angehörige. Uns allen hilft ein ausreichender Impfschutz, ein wenig Empathie und die große Leistung, sich selbst ein wenig zurück zu nehmen, damit ein/e andere/r einen kleinen Vorteil haben kann und, in der vorliegenden Situation, wir alle zu einer ersehnten Normalität zurückkehren können. Das ist eine Gesellschaft und das ist Demokratie.

All Das In Mir – Zwei Tage

Dies ist die erste lyrische Geschichte aus meinem Buch „All Das In Mir“.

Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Anschauen.

Mikowbook hisst die Regenbogenfahne zu den Pride Weeks 2021

Die Neue Nationalgalerie – Neuer Glanz in altem Design

Sechs Jahre Bauzeit und 140 Millionen Euro, das ist die Zeit- und Kostenbilanz für die Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Die 250 Quadratmeter Ausstellungshalle unter dem eindrucksvollen Stahldach, von 8 Säulen getragen, erstrahlt in neuem Glanz, ohne das am ursprünglichen Aussehen etwas verändert wurde. Lediglich die Pfosten der Fassade aus Stahl und Glas wurden dem heutigen Stand der Technik angepasst und verhindern nun das Reißen der Glasfronten bei Temperaturunterschieden, ebenso wurde dickeres Sicherheitsglas verbaut, Altlasten, wie Asbest wurde entfernt und der Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht. Zahlreiche Originalteile wurden restauriert und wieder verwendet. Andere Bau- und Einrichtungsteile sind zwar neu, wurden aber nach den Originalen gefertigt. Der Spagat zwischen Modernisierung und Erhalt des Originalbaus scheint perfekt gelungen zu sein. Mies van der Rohe, der 1962 den Auftrag für den Entwurf der Nationalgalerie bekam, hätte seine helle Freude gehabt. Am 29. April war die Schlüsselübergabe und ab August wartet das Gebäude wieder auf zahlreiche Kunstinteressierte mit seiner ersten Ausstellung. Gerade in der Coronazeit ist es wichtig, die Kunstszene zu erhalten und wieder lebendig werden zu lassen und nicht zuletzt darum freue ich mich auf diese Ausstellung ganz besonders.

Ein Topf und eine Kelle auf dem Balkon

Zugegeben ein merkwürdiger Titel für diesen Artikel. Doch die Erklärung folgt. Versprochen! Das sicher langsam leidige und doch allgegenwärtige Thema Corona begleitet uns auch weiterhin. Ein Ende ist in absehbarer Zeit nicht in Sicht. Je länger die Pandemie dauert, desto mehr Unruhe verbreitet sich unter den Menschen. Gerade darum ist eine umfassende und ehrliche Aufklärung der Bevölkerung immens wichtig. Stimmungsschwankungen und Zweifel, Hin- und Hergerissenheit zwischen Dafür und Dagegen sind normale Menschheitsempfindungen. Nun könnte man zehn Menschen die gleiche Frage stellen und wird zu einem hohen Prozentsatz auch zehn verschiedene Antworten erhalten, zumindest aber welche mit mehr oder weniger abgewandeltem Inhalt. Dank des Internets haben die meisten Menschen die Möglichkeit, sich neben den klassischen Medien wie Zeitung, Radio oder Fernsehen umfassend über das Geschehen in der Welt zu informieren. Leider gibt es aber auch Menschen, die nicht wissen, wie man sich richtig informiert. Wer als einzige Quelle seines Wissens Facebook heranzieht, oder sich seine Meinung über irgendwas oder irgendwen auf Grund eines Artikels aus nur einer einzigen Zeitung bildet, wer dem Inhalten des Fernsehens blind traut, ohne sich anderweitig eine Rückversicherung für den Wahrheitsgehalt einer Aussage zu holen, wird am Ende ganz bestimmt nicht gut und richtig informiert sein. Auch oder gerade durch das Internet ist es schwer, den Wahrheitsgehalt einer Aussage bemessen zu können. Ein gesundes Meinungsbild kann sich erst aus der Summe der Aussagen aller herangezogenen Informationsquellen ergeben. Die meisten Menschen tun das auch. Doch nicht alle Menschen sind gleich. Viele kann man schon mit Worten oder Bildern zu einer Meinung lenken, die sie selbst, aus was für Gründen auch immer dann für ihre ureigene halten. Meinungen und Auffassungen über eine Sache, die eindringlich und oft genug propagiert wird, glaubt man eben schneller einmal als einer eigenen zeitaufwändigen Recherche in den Digital- und Printmedien. Die berühmte Reihenfolge des Informationsflusses ist dann der Weg, den die Information dann schon genommen hat. Sprich: Das vermeintliche wahre Wissen hat man von der Freundin des Bruders eines Freundes. Wir leben in einer Demokratie. Jeder Mensch kann frei seine Meinung sagen. Das ist gut so und sollte auf keinen Fall anders sein. Wenn aber Halbwahrheiten und verdrehte Tatsachen genutzt werden, um Menschen gegeneinander aufzuhetzen und wenn dieses dann noch unter Zuhilfenahme von völlig falschen Argumenten genutzt wird, um sich selbst zu profilieren, um Streit anzuzetteln, kann das nur als Angriff auf die Demokratie zu werten sein. Wer eine Impfpflicht anprangert, die es derzeit für Corona überhaupt nicht gibt, wer skandiert, dass Angst klares Denken lähmt, und selbst Angst und Unsicherheit schürt, der missbraucht unsere Demokratie. So geschehen auf einer Demo in Wartenberg am vergangenen Freitag. Verbales Aufhetzen der Bevölkerung ohne fundierte Lösungsvorschläge. Was dort ablief, war keine Aufklärung der Bevölkerung über Missstände im Umgang mit Corona, sondern eine Aneinanderreihung von Phrasen, in einer Art und Weise verkündet, die keinesfalls als Aufrütteln oder Denkanstoß für das eigene Denken und Handeln verstanden werden konnte. Die Demo wurde als Vorwand genutzt, mit dem Unmut der Menschen zu spielen, sie aufzuhetzen gegen die Coronamaßnahmen und damit gegen die Regierung. Verstärkt wurde der Aufzug durch einen wartenden Autokonvoi. Allerdings hielten sich die Fahrer ganzheitlich reaktionslos im Hintergrund. Einzig ein paar Claqueure klatschten zur Farce mehr schlecht als Recht mageren Beifall und die Menschen an den Fenstern waren wohl mehr neugierig als dass sie für die eine oder andere Seite Partei ergriffen hätten. Mehr Schein als Sein also. Wer sich auf eine solche Demo begibt, muss auch mit Gegenmeinungen rechen. Allein die Art und Weise, wie diesen begegnet wurde, ließ kaum eine Diskussion zu. Im Gegenteil, sie wurde zwar angeboten, allerdings im gleichen Zug als Gegner der Demo-Ziele in abwertender Form in die propagierende Rede eingebettet. Es gibt Menschen, die mit Worten um sich werfen ohne konstruktives Denken bei den Menschen herbeizuführen. Das ist auch sicher nicht gewollt. Diskussion ist etwas anderes. Daher helfen manchmal nur andere Argumente, um seine eigene Auffassung über den Sinn und Zweck einer solchen Demo Gehör zu verschaffen und genau darum habe ich einen Topf und eine Kelle auf dem Balkon.

Bild: Gerd Altmann (Geralt) / Pixabay

Vier mal ist viel und doch viel zu wenig

Dumme Sprüche, Diskriminierung, im günstigsten Fall Spott und hämisches Lachen, im schlimmsten Fall brutale Angriffe auf Gesundheit und Leben. Hinnehmbar ist beides nicht. Immer noch ist in der Gesellschaft nicht angekommen, dass die so genannte heteronormative Lebensweise nicht die einzige und das Nonplusultra ist. Schwul-lesbische Lebensführung mit all ihren Facetten ist genauso normal wie die heterosexuell ausgerichtete. Wer das nicht einsieht, ist einfach nur dumm und weltfremd. Dabei ist es völlig unwichtig, wer mit wem geht oder lebt und ob man so oder anders auf andere wirkt. Warum wird sich über einen Mann mit femininen Bewegungen oder über eine Frau mit maskulinem Erscheinungsbild so abwertend lustig gemacht, während nazistische Erscheinungen mit ihrem dummen Geschwätz stillschweigend geduldet werden? Die Antwort ist vielleicht gar nicht mal so schwer zu finden. Das Zauberwort heißt “Sichtbarkeit”. Unbekanntes mögen die Menschen nicht. Unbekanntes macht Angst, fördert also Ablehnung, die eine Abwehrhaltung erzeugt. Damit ist die Basis für Hetze geschaffen, die andere für die eigene Auffassung gewinnen soll, allerdings mit der Absicht, eine andere Meinung nicht zu akzeptieren und um sich nicht selbst reflektieren zu müssen. Je größer die Gleichgesinnten, umso sicherer fühlt sich der Mensch, was bedeutet, die Angst wird kleiner. Gleichzeitig steigt das Machtgefühl und das mündet bei einigen letztendlich in Hass gegen jeden, der anders als man selber ist. Wenn nun aus etwas Unbekanntem aber etwas Bekanntes wird sinkt die Gefahr der Angst, und damit der grundbedingten Abwehrhaltung. Um etwas bekannt zu machen, braucht es die ständige Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft, denn Gewohnheit schafft bekanntlich so etwas wie “Normalität”, welche dann zur Akzeptanz der Sache an sich wird. Anfang Juni findet der vierte Tuntenspaziergang in Berlin-Mitte statt. Queere Menschen spazieren in bunten Outfits durch den Bezirk und zeigen: Wir sind da! Wir leben hier! Wir sind viele! Wir gehören zur Gesellschaft! Gemeinsam zeigen homo- wie heterosexuelle Menschen Stärke und Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir fordern ein sicheres Zusammenleben ohne Angst und Diskriminierungen jedweder Art – unser gesetzlich verbrieftes Grundrecht – ein. Wir werden sichtbar und dadurch zur “Normalität” in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben. Die Zeiten des Versteckens ist ein für allemal vorbei. Ein Zurück gibt es nicht, denn die rechte Stimmung hat Einzug gehalten in die Politik, schürt Aufruhr, Hetze und Hass unter den Menschen. Nicht zuletzt deshalb sind queere Veranstaltungen so wichtig und unverzichtbar für die Community, wie für unsere gesamte Gesellschaft, für ein gutes faires Zusammenleben, in dessen Zuge jede/r jede/n respektiert und akzeptiert. Seit vier Jahren werden wir durch den Tuntenspaziergang einmal mehr sichtbar. Vier Mal ist viel – und doch viel zu wenig.