Mikow-Lumne

Abstand ist der beste Schutz

DSC08367

Was mich gerade wahnsinnig aufregt

Im Netz häufen sich gerade die Bilder mit Sprüchen, mit denen dem Verkaufspersonal für ihre momentane Leistung gedankt wird. Das ist zwar nett gemeint und ich als Einzelhändler nehme es gern zur Kenntnis. Viel wichtiger finde ich aber, das die Menschen nicht in unsere Geschäfte kommen, um 3 Pfandflaschen abzugeben, weil sie im Auto klappern, ihre Club-Mate-Flasche kaufen, weil sie ja jeden Tag eine kaufen, uns mit Müllsäcken voller Fremdflaschen zuschütten und als Alibi ein Snickers kaufen. Man muss auch nicht 3x am Tag wegen Kleinigkeiten in dasselbe Geschäft gehen und auch nicht jeden Tag 2 Flaschen kaufen. Das ist nicht der Sinn, den uns die Regierung zur Krisenbewältigung erklärte. Jeder nicht lebensnotwendige, zusätzliche bzw. überflüssige, vermeidbare Einkauf steigert die Gefahr einer potenziellen Infektion des Verkaufspersonals, wie auch der Kunden. Das ist nicht mein Verständnis von Kontaktminimierung zur Bekämpfung der Infektionsrate und ich finde es unverschämt und perfide, wenn ich mir von einem 80-jährigen sagen lassen muss, er hätte sein Leben gelebt und ginge dann eben in die Kiste ohne einen Gedanken daran verschwendet zu haben, ob die anderen Menschen um ihn herum das gleiche Ziel haben. Ich finde es zum Kotzen, wenn die Menschen weiter in Parks und auf Bänken an den Straßen abhängen als wären sie in den Ferien. Das ist unverantwortlich und die einzig richtige Maßnahme gegen eine solche Ignoranz kann dann nur eine Ausgangssperre mit drastischen Strafen für Verstöße dagegen sein. Es beschämend, das Menschen, die für die Umwelt demonstrieren, die sich für den Tierschutz einsetzen oder gegen Hass, Diskriminierung und Rechtspopulismus kämpfen nicht in der Lage sind, sich selbst für eine gewisse Zeit zurückzunehmen. Lasst euch gesagt sein, wenn auch nur ein Verkäufer mit dem Virus infiziert wird, er Kontakt mit einem Lieferanten hatte, der weitere Filialen beliefert hat, wird schnell ein gesamtes Unternehmen unter Quarantäne gestellt, Filialen geschlossen. Also, ihr Ignoranten und Ich-Menschen, überlegt gut, wo ihr dann eure Club-Mate herbekommt.

Wenn Sie gesund bleiben wollen, müssen Sie was tun und was lassen

Sehr geehrte Kundschaft

Corona ist derzeit das Thema schlechthin. Um eine Verringerung der Infektionszahlen zu erreichen, hat unsere Regierung Maßnahmen getroffen, dem Corona-Virus die Grundlage für seine Verbreitung zu entziehen. Neben den in der Presse hinlänglich bekannt gemachten Hygieneverhaltensregeln, wie Händewaschen, Niesverhalten etc. gehört dazu auch die Einhaltung eines Mindestabstandes zu anderen Menschen und ein angemessenes Einkaufsverhalten, da insbesondere beim Kundenverkehr in den Versorgungseinrichtungen ein enorm großes Ansteckungsrisiko besteht.
Aus diesem Grund forderte unsere Regierung alle Menschen auf, den Aufenthalt in der Umgebung anderer Menschen auf ein Minimum einzugrenzen. Im Klartext bedeutet das beim Einkauf, diesen auf die NÖTIGEN Besorgungen mit größter Umsicht und Verantwortung für die Gesundheit von uns allen zu beschränken und sich nur für notwendige Wege außerhalb des Wohnortes aufzuhalten. Nur so ist eine schnelle Liquidierung des Virus‘ zu erreichen.
Dafür müssen wir alle unsere Verhaltens- und Gewohnheitsformen ändern und der Situation anpassen. Das ist sicher sehr schwer, aber die einzige Möglichkeit, schnell wieder zu einer Normalität in unserem Leben zu kommen.

Wir als Verkäufer/innen sind jeden Tag besonders nah am Menschen und müssen deshalb auch besonders gut auf unsere Gesundheit, die der Mitarbeiter und der Kontaktpersonen, wie Lieferanten usw. achten. Denn nur ein gesundes Verkaufspersonal ist in der Lage, ihre Versorgung über den Krisenzeitraum sicher zu stellen. Aus Infektionsgründen geschlossene Läden nützen niemanden!

Um möglichst WENIG KONTAKT mit anderen Menschen, dadurch ein MINIMIERTES ANSTECKUNGSPOTENZIAL zu haben und unseren Versorgungsauftrag weiterhin ausführen zu können, brauchen wir ihre AKTIVE MITHILFE.

Achten Sie auf ihre Mitmenschen im Geschäft.

Halten Sie ABSTAND zu anderen Kunden.

Wenn zu viele Kunden im Geschäft sind, warten Sie draußen und haben Sie etwas GEDULD. Das Verkaufspersonal tut sein Bestes.

Kaufen Sie ETWAS MEHR, aber dafür WENIGER OFT.
HAMSTERN IST UNFAIR.
Lassen Sie auch für ihre Mitmenschen etwas übrig.

Zahlen Sie MÖGLICHST mit ihrer BANKKARTE.

Legen Sie bei Barzahlungen das GELD AUF DEN TRESEN, NICHT IN DIE HAND.

VERMEIDEN SIE Einkäufe von einzelnen Flaschen und die ausschließliche Abgabe von Leergut. Diese Einkäufe sind KEINE LEBENSNOTWENDIGEN HANDLUNGEN und fördern das Übertragungsrisiko des COVID-19 durch vermeidbare Kontakte.

VERMEIDUNG VON KONTAKT IST DER BESTE SCHUTZ FÜR UNSERE GESUNDHEIT.

Bitte helfen Sie uns bei der Umsetzung, damit wir die Krise schnell überstehen. Wenn nicht jeder einzelne von uns mitzieht, wird es zwangsläufig zu drastischeren Maßnahmen wie Ausgangssperren u.ä. kommen.

BLEIBEN SIE GESUND!

 

Countdown zum nächsten Desaster

Beim Planen war Berlin schon immer in der ersten Reihe. Mehr aber in vielen Fällen auch nicht. Das Flughafen-Desaster ist das prominenteste Beispiel für die Untauglichkeit in der Praxis. Zu klein, zu teuer und schon vor der Inbetriebnahme, an die der Rest der Welt sowieso nicht mehr glaubt, mit Folgekosten behaftet. Auch der neueste Plan ist ein alter Hut. Zwanzig Jahre, um genau zu sein. Denn damals schon reifte der Plan, eine Straßenbahn durch die Leipziger Straße und über den Potsdamer Platz bis nach Schöneberg fahren zu lassen. Bei der Sanierung der Leipziger Straße wurden dafür sogar die Gleise schon verlegt, angeblich, damit man die Straße nicht noch einmal aufreißen müsste. Dass die Pflege der toten Gleise weiter Geld kostete wurde dem Steuerzahler natürlich lange verschwiegen. Dass die Gleise zukünftig überhaupt genutzt werden, daran glaubt auch keiner wirklich. Nun soll ein neuer Anlauf genommen werden, die Straßenbahn doch noch zu bauen. Die Idee ist bestimmt touristisch gesehen auch nicht schlecht. Doch die Umsetzung der Pläne für die damit einhergehenden verkehrstechnischen Umgestaltung der Leipziger Straße spricht gegen alle Erfahrungen. Ein Grünstreifen in der Mitte soll den Berlinern das Projekt schmackhaft machen und breite Radwege sollen die Radfahrer auf die Seite der Bauherren ziehen. Dem ist erst einmal auch nichts entgegenzusetzen. Wenn nicht die leidigen bösen Berliner Autofahrer werden. Für diese soll laut Plan nämlich nur noch jeweils eine Fahrspur übrig bleiben. Als Begründung wird eine erwartete Halbierung des Autoverkehrs angeführt. Holger Kölling-Orb und seine Mitstreiter von der Senatsverkehrsverwaltung müssen in den letzten Jahren schon sehr blind durch unsere Stadt gelaufen sein, um das wirklich zu glauben. Die Leipziger Straße ist schließlich eine der am meisten frequentierten Straße Berlins von Ost nach West bzw. umgekehrt. Autofahrer stehen permanent im Stau und auch Alternativrouten sind hoffnungslos verstopft. Eine Halbierung der Autos ist höchst unwahrscheinlich und hat auch noch nirgendwo stattgefunden. Die Fahrtrouten haben sich allenfalls verlagert. Es wird höchste Zeit, das sich die Verkehrsverwaltung an ihre Pflichten erinnert und den Verkehr einer Großstadt lenkt und flüssig hält. Dazu gehört neben den öffentlichen Verkehrsmitteln, den Radlern und den Fußgängern nun einmal auch der Autoverkehr. Der geplante Ausbau und die Umgestaltung der Verkehrsflächen wird zwangsläufig nur zur Verstopfung der Nebenstraßen führen. Dieses wiederum müsste durch neue Verbote verhindert werden. Am Ende bleibt es, was es ist: Ein Verkehrsproblem ohne eine richtige Lösung.

berlin-339062_1280

Selbstbestimmt sterben dürfen

Es ist ein Thema, das die Gemüter erhitzte. Seit Jahren gibt es die Diskussion um die Sterbehilfe, die Möglichkeit, todkranken Menschen den Zeitpunkt für ein würdiges Ende ihres Lebens selbst bestimmen zu können. Endlich hat das Bundesverfassungsgericht den Strafrechtsparagrafen 217, der eine geschäftsmäßige, also die wiederholte Sterbehilfe verbot, für nichtig erklärt. Jeder Mensch hat nun das Recht selbstbestimmt sterben zu dürfen. Die Richter in Karlsruhe haben dabei eine Grundsatzentscheidung getroffen, die es Menschen nicht nur krankheitshalber, sondern auch aus anderen persönlichen Gründen frei stellen muss, seinem Leben ein Ende setzen zu können. Das Ableben eines Menschen muss selbstverständlich die freie willentliche Entscheidung des Suizidenten ohne jeden Druck von außen sein. Das bedeutet, das tödliche Medikament darf von Dritten zur Verfügung gestellt werden, muss aber von sich selbst verabreicht werden. Eine aktive Sterbehilfe, wie etwa eine Injektion durch eine andere Person ist dagegen weiterhin eine Tötung auf Verlangen und bleibt verboten.

Einfach ist es für die Betroffenen deshalb trotzdem nicht. Um sein Ableben auch durchführen zu können, muss man sich gesetzlich festgelegten Aufklärungsgesprächen und Wartepflichten unterziehen. Die letztendliche Entscheidung liegt aber in jedem Falle beim Patienten und muss so akzeptiert werden. Nach dem Urteil muss nun an der Umsetzung gearbeitet und Rechtsklauseln angepasst werden. Selbstbestimmt sterben dürfen. Diese Möglichkeit der freien Selbstbestimmung in diesem sensiblen Bereich war überfällig und kann bei bewusster Nutzung durch aufgeklärte Menschen und verantwortlichem Handeln kein Gegenargument gelten lassen. Denn jeder Mensch muss für sich entscheiden, ob er aus dem Leben scheiden will oder nicht. Das geht keinen anderen etwas an und berechtigt erst recht nicht, die eigene Auffassung auf andere zu projizieren. Allen Kritikern mit ihren fadenscheinigen Argumenten zum Trotz sei gesagt, das Urteil über den Paragrafen 217 ist absolut richtig.

doctor-840127_1280

70 Jahre Berlinale und ein Boulevard der Schande

In diesem Jahr zieht es wieder jede Menge Prominenz und Touristen zur Berlinale in unsere Stadt. Das weltweit bedeutsame Filmfestival findet vom 20. Februar bis zum 1. März statt und feiert sein stolzes 70-jähriges Jubiläum. Grund genug, den Potsdamer Platz filmreif herauszuputzen und der Welt ein strahlendes Gesicht voller Glanz und Glamour zu präsentieren. So werden rote Teppiche ausgerollt und Wege gefegt, Karossen geputzt und Kameras ohne Ende aufgestellt um die Stars und Sternchen der Filmbranche möglichst wirkungsvoll ablichten zu können.

DSC08040

Leider wird der Glanz auf der Potsdamer Straße aber schon an der Bordsteinkante wieder verblassen. In krassem Gegensatz zur Internationalität der Filmfestspiele findet der Tourist und wahrscheinlich auch der eine oder andere Prominente einen heruntergekommenen Mittelstreifen in schmutzigem Rot, der eher an einen zu breit geratenen Fahrradweg erinnert und Boulevard der Stars genannt wird.

DSC08054

Wie müssen sich die Stars für unsere Stadt fremdschämen, wenn sie diesen Boulevard, der nicht einmal diese Bezeichnung verdient, mit den unansehnlichen, beschmutzten Sternen sehen, auf denen ihre Namen stehen.

DSC08052

Stumpfe Oberflächen mit verblassten Schriftzügen, eingerahmt von aufgerissenem schmutzig-roten Asphalt. Eine Million Euro hat dieses Projekt gekostet und danach hat man einfach die Pflege vergessen. Für neue Sterne fehlte der gemeinnützigen Gesellschaft das Geld, was keinesfalls eine Entschuldigung für diesen grauenhaften Zustand ist. Schließlich war von Anfang an klar, das der Unterhalt weiteres Geld kosten wird.

DSC08062

Als Berliner bin ich entsetzt. Man hatte sich ursprünglich den Walk of Fame in Los Angeles als Vorbild genommen und letztendlich einen Boulevard der Schande kreiert.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

…ich habe mein Gesicht erkannt. So oder ähnlich könnte man resümieren, wenn man sich das großartige Theaterstück „Extrawurst“ angesehen hat. Ein Tennisverein beschließt auf seiner Mitgliederversammlung die Anschaffung eines neuen Vereinsgrills. Ein harmloses Unterfangen könnte man meinen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Frage aufkommt, ob man nicht für Muslime einen zweiten Grill bräuchte. Was eigentlich keine große Sache ist, dynamisiert sich durch ein exzellentes Wortmatch und fünf wunderbare Darsteller. Der Zuschauer folgt gespannt den Dialogen und tief im Inneren ergreift er selbstverständlich Partei für denjenigen, der „seine“ Meinung vertritt, denn jeder der fünf Vereinsmitglieder hat natürlich seine eigene Auffassung von Integration, Toleranz, und Akzeptanz. „Extrawurst“ ist eine intelligente, politische Komödie, während der jedem Besucher subtil der Spiegel vor das Gesicht gehalten wird. Am Ende muss man sich fragen, ob die eigene Auffassung wirklich die wahre und richtige ist, oder ob man sich nicht vom Strom der Gesellschaft mit all ihrer Spießigkeit hat mitreißen lassen. Diesen sensiblen Stoff aus der Feder von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob in eine unterhaltsame Komödie zu packen ist eine Meisterleistung des Regisseurs Guntbert Warns. Mit perfekten Übertreibungen machen die großartigen Protagonisten Simone Thomalla, Christoph M. Ohrt, Felix von Manteuffel, Hans Czypionka und Atheer Adel sehr lehrreich klar, in jedem steckt etwas von jedem. Welcher Typus Mensch man sein will muss jeder für sich selbst entscheiden, doch am Ende bleibt die Chance, es besser zu machen, „andere“ Menschen zu akzeptieren, tolerant zu sein, ohne sich als das Maß aller Dinge zu sehen. Am Ende sind wir alle individuelle Wesen und jeder hat das Recht so zu leben, zu glauben und zu lieben, wie er selbst es für richtig hält und jeder hat die Pflicht, jedem dieses – sein – Recht einzuräumen. „Extrawurst“ hat mich begeistert, die hervorragenden Schauspieler, die tolle Bühne und ein Drehbuch, das einerseits sehr lustig umgesetzt wurde und doch zum Nachdenken zwingt. Es ist ein Stück, das man gesehen haben sollte und sehr zu empfehlen ist.

2020-02-13 Extrawurst

Adverso Flumine oder der wahre Eklat

Auch in diesem Jahr wird auf dem Dresdener Semperopernball der St. Georgs Orden verliehen. Die Auszeichnung mit diesem Orden ist Symbol dafür, sich für das Gute in der Welt eingesetzt zu haben. Nun muss man sich schon fragen, mit welcherlei Maß das Gute in diesem Fall bewertet wird, zumindest von den Verantwortlichen des Balls. Denn der diesjährige Orden wird dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi verliehen. Das Maß ist offenbar die, durch den Putsch 2013 wieder hergestellte Stabilität in Ägypten und die Konformität mit dem Rest der Welt. Dabei kann man schon einmal vergessen, dass eben dieser Präsident für die Ermordung von Menschen verantwortlich ist. Es ist schon sehr merkwürdig, wenn man von einem weiteren Eklat in Verbindung mit der Moderation des diesjährigen Semperopernballs in Dresden spricht. Von Hasstiraden und Bedrohungen gegen die, für Judith Rakers eingesprungene Mareile Höppner ist die Rede. Verübeln kann man ihr die Absage, den Ball zu moderieren wohl nicht. Wenn sein eigenes Kind bedroht wird, und sei es nur verbal, liegen die Prioritäten verständlicherweise an anderer Stelle. Der eigentliche Eklat ist meiner Meinung nach die Tatsache, den Orden überhaupt an diesen Mann zu vergeben. Vielleicht sollte der Ballverein im nächsten Jahr etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen und einen geeigneteren Kandidaten auszeichnen.

Nachtrag: Der Druck der Öffentlichkeit und das Rückgrat, das viele Prominente bewiesen haben indem sie ihre Teilnahme am diesjährigen Semperopernball absagten hatte zur Folge, dass dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi der St.-Georgs-Orden wieder aberkannt wurde. (06.02.2020)

Thalbach-County…

…könnte man die Komödie am Kurfürstendamm ehrfurchtsvoll nennen, in der Katharina Thalbach und ihre Familie fast schon zu Hause sind. Wenn das Klima zu Hause stimmt, fühlt sich jeder wohl, Bewohner wie Besucher. Ein gutes Klima herzustellen und zu halten schafft Katharina Thalbach in ihrer Familie meisterhaft. Sie inszeniert ein Meisterwerk nach dem anderen. Ein ausverkauftes Haus und glückliche Besucher zeugen von ihrer Perfektion, ihrer Disziplin, und ihrem Können einen schweren Job für den Zuschauer federleicht aussehen zu lassen. Jeder Besuch in einem ihrer Stücke ist ein Erlebnis der Extraklasse. Die große Katharina ist auf der Hut, Handlungen nicht unnötig in die Länge zu ziehen und immer für eine Überraschung gut. Das hält ein Stück lebendig. Nur zu Recht und meiner Meinung nach längst überfällig bekam sie nun den Ernst-Lubitsch-Preis verliehen. Eigentlich könnte sie sich etwas ausruhen, aber das wäre nicht Katharina Thalbach. Sie ist schon auf dem nächsten Sprung, fährt doch im März schon der nächste Zug über die Bühne. Der Zuschauer darf gespannt sein, denn die Fahrt wird mörderisch. Selbstverständlich bin auch ich mit an Bord, denn ich will um keinen Preis auch nur eine Minute, eine einzige Geste und schon gar nicht ihr schelmisches Lächeln verpassen, denn all das sagt ohne Worte, was sie macht, macht sie gern und ihre Freude über ein begeistertes Publikum trägt sie nicht nur am Ende jeder Vorstellung offen im Gesicht zur Schau. Wie kann man sich die Liebe seines Publikums besser verdienen? Meine jedenfalls hat sie bis in alle Ewigkeit und das nicht erst seit einer kurzen persönlichen Unterhaltung bei einem zufälligen Treffen nach einer Vorstellung von „Hase, Hase“.

Nähmlich schreibt man mit „h“ – Isch schwöre!

Das ist kein Einzelfall und Winfried Kretschmann findet das offenbar auch gar nicht schlimm. Er ist nämlich der Meinung, Rechtschreibung ist nicht mehr wichtig in der heutigen Zeit, in der auf Smartphones und Computern Programme Korrekturen am Geschriebenen vornehmen können. Dass man sich auf eine korrekte Erkennung und Änderung der Fehler durch diese Programme nicht verlassen kann ignoriert er schlichtweg. Ebenso die Tatsache, das die Rechtschreibung auf die Lern- und Merkfähigkeit, das Lesen und das Artikulieren Auswirkungen hat. Wenn der Ministerpräsident aus Baden-Württemberg nun der Meinung ist, die Rechtschreibung aus dem bildungspolitischen Fokus zu nehmen sei richtig, ist das für mein Verständnis nur ein Weg, weniger Geld in die Bildungspolitik investieren zu müssen. Vielleicht sollte er einmal in die Schulen gehen und sich umhören, wie dort gesprochen und geschrieben wird. Mir dreht sich jedenfalls oft genug der Magen um, wenn ich manche Bewerbungen auf den Tisch bekomme. Isch schwöre…